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Satanoperca leucosticta!



- hinter solch einem diabolischen Namen versteckt sich einer der friedlichsten Cichliden

Die Teufelsangel ist ein ruhiger Cichlide, der in großen Aquarien eine Augenweide darstellt.

Autor & Copyright: Christian Arnold, Bericht aus "Aquarium live Nr.6/2001" Seite 54-58 Bede-Verlag

Ein mystischer Fisch

Mit Satanoperca sind eine Menge indianischer Legenden verknüpft. Insbesondere S. jurupari, der nahe mit S. leucosticta verwandt ist, ist wirklich "sagenhaft". Jurupari bedeutet in der Sprache der Tupi einen gefürchteten Walddämon. Satanoperca jurupari heißt Köder des Dämons. Satanoperca ist aber auch mit Satans Thron zu übersetzen. Was es alles mit diesen Namen auf sich hat, ist heute nicht mehr genau zu deuten. Abschrecken sollten sie uns aber nicht, denn Teufelsangeln, so ihr deutscher Name, zählen zu den friedlichsten Großcichliden überhaupt. Weitere Arten dieser Gattung sind S. daemon und S. pappaterra. Früher wurden alle Satanoperca-Arten in die Gattung Geophagus gestellt. Der richtige Name ist zu bevorzugen, denn häufig werden die Fische noch unter Geophagus leucosticta verkauft. Warum denn? Solche Revisionen, die große Gattungen in kleinere aufteilen, bringen manche Vorteile. Am Rande angemerkt, brachte auch die Revision der Sammelgattung Cichlasoma Vorteile, wenngleich viele Aquarianer noch nicht wissen, was mit Vieja, Hypselecara, Copora & Co. gemeint ist und diese Fische immer noch als "Cichlasoma" bezeichnen. Nun aber wieder zurück zu den Teufelsangeln. Diese haben in Brasilien und Guyana ein großes Verbreitungsgebiet. Die meisten Wildfangimporte, so auch meine drei Satanoperca leucosticta, kommen aus Brasilien zu uns. In ihren Lebensräumen bevölkern sie Gewässer jeglicher Art, die warm und sauber sind. Viele Urwaldbäche weisen eine spärliche Vegetation, aber dafür doch viel Wurzelwerk auf, unter dem die Teufelsangeln Zuflucht finden.

Die Färbung der Satanoperca leucosticta

Gut - mit den Mbunas aus dem Malawisee können sie, farblich gesehen, nicht konkurrieren, denn ihre Grundfarbe ist ein schlichtes Grau. Der Kopf, der schwarze Streifen aufweist, schillert grünlich. Die Flanken sind bei geschlechtsreifen Fischen mit grünlichen Tüpfeln besetzt. Die Flossen, insbesondere die Ventralen, sind bei ausgewachsenen S. leucosticta sehr lang ausgezogen und verleihen den Fischen - die im männlichen Geschlecht bis zu 25 cm Länge erreichen können, die Weibchen bleiben etwas kleiner - ein spektakuläres Aussehen. Der Freund südamerikanischer Großcichliden wird sich an diesen dezenten Schönheiten sicherlich erfreuen Könner.

Das Teufelsangel-gerechte Aquarium

Der wichtigste Aspekt bei der Wahl eines geeigneten Aquariums ist sicherlich die Größe des Behälters. Jedem wird einleuchten, dass 1m-Aquarien für Fische dieser Größenordnung völlig unzureichend sind. 800 Liter oder eine Länge von mindestens 1,5 m und einer Breite sowie Höhe von 70 cm sind für die Teufelsangeln eine ideale Unterkunft. Zweitwichtigster Punkt ist Flusssand oder feiner Kies (2 bis 4 mm ) als Bodengrund, denn die Fische - sie sind Erdfresser - durchkauen ihn ständig auf der Suche nach Nahrung. Pflanzen können durchaus ins Aquarium eingesetzt werden, wobei der Aquarianer auf feine, rasenbildende Gewächse verzichten soll, da sie von den Fischen entweder ausgegraben werden oder aber den Bodengrund, der für die Teufelsangeln doch so wichtig ist, verdecken. Große Solitärpflanzen jeglicher Herkunft eignen sich jedoch ideal und sollen auf jeden Fall im Satanoperca-Aquarium Verwendung finden. Große Moorkienholzwurzeln dürfen als Unterstände für die sehr ruhigen Fische auf keinen Fall fehlen. Auch große, flache Kieselsteine als Laichsubstrat werden ins Aquarium eingebracht. Als Laichplatz können aber auch bewegliche Moorkienholzwurzeln oder abgekochte (überbrühte) Blätter angeboten werden. Die Wassertemperatur sollte der Aquarianer etwas höher als allgemein üblich einstellen, 26 bis 27C sind ideal. Ist die Wassertemperatur zu niedrig, so sterben die Fische früher oder später. Alles in allem gesagt sind Satanoperca leucosticta jedoch recht unkomplizierte Pfleglinge, die sich bei einem neutralen pH-Wert und weichem Wasser richtig wohl fühlen.

Die Vergesellschaftung mit Nicht-Cichliden

Eine Vergesellschaftung mit anderen Fischen außerhalb der Familie Cichlidae ist durchaus möglich. Insbesondere größere Welse eignen sich hervorragend. Ich vergesellschafte meine drei Teufelsangeln mit Megalechis thoracata, Pterygoplichthys gibbiceps, Pterigoplichthys anisitsi und Bunocephalus sp. Auch Antennenwelse, Ancistrus sp., können mit S. leucosticta vergesellschaftet werden, wobei darauf zu achten ist, dass kein Ancistrus-Pärchen im gleichen Aquarium gepflegt wird. Wenn die Teufelsangeln nämlich versuchen, junge Ancistrus, die bei einem Ancistrus-Pärchen nicht ausbleiben, zu fressen, so kann sich der aushärtende Stachel der Rückenflosse der heranwachsenden jungen Ancistrus durch die Mauldecke der S. leucosticta bohren, so dass die Fische daran sterben können. Große Oberflächenfische wie Aplocheilus sp. oder Trichogaster sp. könnten sicherlich auch mit S. leucosticta vergesellschaftet werden - ich selbst habe es aber allerdings noch nie probiert. Ungeeignet sind alle unruhigen oder aggressiven Fische. Salmler gehören einfach in kein Cichlidenaquarium, viele von ihnen sind einfach zu unruhig und zeitweise sehr aggressiv. Auch die oft ebenfalls aggressiven Barben, Fransenlipper und Schmerlen sowie die wiederum unruhigen Bärblinge sind meist ungeeignet. Lebendgebärende Zahnkarpfen würde ich falls nicht empfehlen. Entweder dienen sie den Teufelsangeln als Futter wie Guppys - oder sie belästigen die Cichliden wie Schwertträger.

Die Vergesellschaftung mit anderen Cichliden

Vergesellschaftung mit anderen Cichliden ist grundsätzlich möglich und empfehlenswert. Infrage kommen all diejenigen Arten, die friedlich sind und sich vor den Teufelsangeln nicht fürchten. In erster Linie eignen sich südamerikanische Großcichliden. Geignet wären Arten der Gattungen: Geophagus, Gymnogeophagus, Heros, Hypselecara, Mesonauta, Pterophyllum und auch der in Mittelamerika beheimatete Vieja bifasciata. Zudem sind Satanoperca hervorragende Gesellschaftsfische für Diskus. Satanoperca sind friedlich, nehmen den scheuen Symphysodon die Scheu und vertragen höhere Temperaturen.

Ich pflege in einem 800 1-Aquarium eben meinen drei Satanoperca leucosticta (1 Männchen, 2 Weibchen) ein Pärchen Heros severus, ein Pärchen Pterophyllum scalare, vier Hypselecara temporalis-Jungfische, zwei Gymnogeophagus australis-Jungfische, die erst zarte 5 cm messen und dennoch von den rund 25 cm großen Heros vollkommen in Ruhe gelassen werden, sowie verschiedene Welse. Diese Gesellschaft funktioniert reibungslos. Auch wenn südamerikanische Zwergcichliden für eine solche Gesellschaft durchaus geeignet wären, fürchten sie sich vor den großen, aber vollkommen friedlichen Buntbarschen. So musste ich ein Anomalochromis thomasi-Paar, das ich zur biologischen Schneckenbekärnpfung eingesetzt hatte, aus dem Aquarium nehmen. Sie hatten vor den großen Fischen einfach Angst. Also blieb gegen die lästigen, indischen Turmdeckelschnecken nur noch die mechanische Schneckenfalle aus dem Zoofachhandel. Das man kleine (ich meine junge) Großcichliden durchaus mit großen (ausgewachsenen) Großcichliden pflegen kann, zeigt obiges Beispiel. Auch meine vier Hypselecara temporalis-Jungfische waren, als ich sie ins Aquarium einsetzte, nur 5cm lang, und siehe da, wie die Gymnogeophagus australis wurden sie von ihren Beifischen kaum beachtet und nicht gejagt. Sensationell - oder? Denn so kann man im gleichen Aquarium harmonierende Paare pflegen und Jungfische zu harmonierenden Paaren heranziehen. Hauptsächlich bekommt der Aquarianer ja Jungfische angeboten, und auch meine Teufelsangeln bekam ich als Jungfische. Jetzt misst das Männchen 15 cm, die Weibchen sind etwas kleiner und zeigen auch nicht so lang ausgezogene Flossen wie das Männchen. Vor einem Jahr maß der größte S. leucosticta erst 5 cm. Jetzt werden sie langsam geschlechtsreif und laichen bestimmt bald ab, momentan zeigen sie sich aber noch einzelgängerisch. Es gibt also eine Menge Cichliden die sich mit den sehr friedlichen Teufelsangeln vergesellschaften lassen, so dass der Aquarianer auf jeden Fall ein Aquarium besetzen kann, obwohl südamerikanische Großcichliden ja nicht so häufig im Zoofachhandel anzutreffen sind. Woran mag das liegen? Eigentlich nur daran, dass nur wenige ein 800 1-Aquarium besitzen, denn die Südamerikaner sind die angenehmsten Cichliden, die ich kenne. Oder vielleicht, weil sie nicht so farbenprächtig wie ostafrikanische Cichliden sind. Letztere pflegte ich auch jahrelang, bis mir die ständigen Raufereien und die oft verletzten Weibchen zu viel wurden. Solches konnte ich bei meinen Südamerikanern nie beobachten - vorausgesetzt, das Aquarium ist groß genug.

Das Verhalten untereinander

Unverpaarte Teufelsangeln verhalten sich untereinander etwas aggressiv. Dennoch, in einem großen Aquarium verletzen sich die Fische nie, es kommt nur manchmal zwischendurch zu kleinen Jägereien, ansonsten gibt es nichts Schlimmeres. Am besten legt der Aquarianer sich eine Gruppe von vier bis acht Jungfischen zu und lässt die Paare sich selbst finden. Nur Geduld - wenn sich schon Geschlechter erkennen lassen [anhand der Beflossung (wenn man die Fische im Netz auf den Rücken dreht, um ihre Genitalpapiellen zu betrachten, bringt das meist wenig, Südamerikaner lassen sich auf diese Weise kaum unterscheiden, bei Ostafrikanern klappt das eher)], lassen sich ja gleich ein Männchen und zwei Weibchen kaufen. Das spart Geld, und das Männchen entscheidet sich, wenn es geschlechtsreif ist, für eines der Weibchen. Wenn die Fische geschlechtsreif sind, über 15 cm Länge, und sich noch immer kein Pärchen gefunden hat, so kann der Aquarianer mit dem Austausch eines Partners nachhelfen oder das Männchen für einige Zeit von den Weibchen trennen und die Fische danach wieder zusammenbringen. Normalerweise müsste es aber mit der zuvor genannten Methode klappen. Zunächst bilden die Jungfische eine Gruppe, aber sobald ein Fisch dominant wird, unterdrückt er die anderen - wenn auch nicht sehr stark - und es kann sein, dass der rangniedrigste Fisch einer Gruppe stirbt. Je größer das Aquarium ist und je mehr Fische in einer Gruppe leben, desto besser ist es. Das gilt nicht nur für die Satanoperca leucosticta, sondern für alle monogamen Cichliden.

Die Fütterung

Satanperca leucosticta sind im allgemeinen problemlose Fresser, die eigentlich jegliche Art von Futter zu sich nehmen. Ein gutes Markenflockenfutter reicht als Hauptfutter aus. Damit das Weibchen aber auch Laich ansetzt, muss mehr geboten werden, Lebend- oder Frostfutter zum Beispiel. Obwohl die Teufelsangeln recht groß werden, sind sie keine Großbrockenfresser. Lebende Schwarze Mückenlarven, aus der Regentonne selbst gefangen und vor dem Verfüttern gewaschen, stellen für die S. leucosticta, und für die anderen Fische auch, eine Delikatesse dar, nach der sofort im Bodengrund (die Larven halten sich über dem Bodengrund auf ) gestöbert wird. Richtig gierig stoßen die Teufelsangeln mit ihren Mäulern in den Bodengrund und zeigen so ihr natürliches Fressverhalten. Als Frostfutter kann der Aquarianer vielerlei Sorten anbieten, Weiße Mückenlarven, Schwarze Mückenlarven, Mysis, Artemia oder Krill fein sind die besten Sorten. Nicht verfüttert werden sollten Regenwürmer, Tubifex und Rote Mückenlarven, da sie mit Giften verseucht sein können.

Die Zucht

Die Zucht der Teufelsangeln läuft ähnlich ab wie bei anderen biparentalen Maulbrütern auch. Nachdem das Pärchen einen flachen Stein, eine Wurzel oder eine transportable Unterlage gereinigt hat, beginnt das Ablaichen. Nach 24 Stunden kauen die Eltern die Jungfische aus den Eihüllen heraus und nehmen sie ins Maul auf. Satanoperca leucosticta ist also ein biparentaler, larvophiler Maulbrüter. Bis zum Freischwimmen der Jungfische werden sie im Maul herumgetragen, aber auch später noch bei Gefahr oder nachts ins Maul aufgenommen. Die Jungfische können, wenn sie freischwimmen, sofort mit Artemia-Nauplien gefüttert werden. Diese werden mit einem dünnen Röhrchen vorsichtig in den Jungfischschwarm gespritzt. Die weitere Aufzucht ist nicht schwierig, der Aquarianer sollte den Altfischen aber die ganze Brutpflege überlassen und die Jungfische nicht frühzeitig aus dem Aquarium nehmen oder gar den Eltern aus dem Maul schütteln. Überlässt man den Altfischen die komplette Brutpflege, so treten bei den Jungfischen später weniger häufig Brutpflegestörungen auf - wie wir sie von den Segelflossern kennen.

Schlussbemerkung

Ich hoffe, es ist mit diesem und den vorherigen Artikeln gelungen, Ihnen die Welt der südamerikanischen Großcichliden durch konkrete Aquarien und Vergesellschaftungsvorschläge näher bringen zu können. Ich hoffe auch, dass ich so den südamerikanischen Großcichliden zu mehr Beliebtheit verhelfe. Sollten Sie irgendwelche Fragen zum Thema "Südamerikanische Großcichliden" haben oder selbst diese herrlichen Fische pflegen und Ihre Erfahrungen austauschen wollen, so können Sie mir unter chri.Arnold@tonline.de eine e-Mail schicken, die ich gerne beantworte.

Das auf dem Substrat, in diesem Fall einem großen Kieselstein, abgesetzte Gelege wird von beiden Eltern sorgfältig gepflegt d und verteidigt.

Das kräftige unterständige Maul wird in diesem Fall besonders deutlich. Es erleichtert den Fischen das Durchkauen des Bodengrunds, was ihnen den Namen Erdfresser eintrug.

Unter den Vertretern der Gattungen Geophagus und Satanoperca gibt es noch zahlreiche unbeschriebene Arten, die sich teilweise nicht einmal eindeutig einer der beiden Gattungen zuordnen lassen.

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Autor & Copyright: Christian Arnold, Bericht aus "Aquarium live Nr.6/2001" Seite 54-58 Bede-Verlag

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