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Die Gattung Geophagus!

UPD: 01.05.08



Autor & Copyright: Heinz Morche (D 53 3646), Bericht für geophagus.de

Die Gattung Geophagus

In den letzen Jahren ist Zahl der "reisenden Aquarianer" nach Südamerika sprunghaft angestiegen. Gerade sie waren es die immer wieder neue Arten und Standortvarianten von ihren Reisen mitbrachten. Während die kommerziellen Importeure sich auf die klassischen Fanggebiete konzentrierten, scheuten viele Aquarianer nicht die zum Teil beschwerliche Suche nach neuen Fischbiotopen.

Geophagus sp. Rio Orocopiche (abalios ?)

Oben: Geophagus sp. Rio Orocopiche (abalios ?)
Unten: Rio Orocopiche

Rio Orocopiche

Rio Caroni

Oben: Rio Caroni
Unten: Geophagus dicrozoster

Geophagus dicrozoster

Viele Buntbarscharten die zwar bekannt, aber wissenschaftlich noch unbeschrieben als konserviertes Material in den Formaliengläsern der verschiedenen Museen bzw. Forschungsinstituten einlagerten, wurden erstmals lebend nach Deutschland eingeführt. Durch Aquarienbeobachtungen an den Neuimporten stieg die Erkenntnisse über die Haltungsbedingungen und Fortpflanzungsbiologie enorm an. Ein schönes Beispiel ist hierfür der Augenfleckbuntbarsch Heros severum. Wer hätte vor einigen Jahren schon daran gedacht das es in dieser schon lange bekannten Cichliden Gattung, die uns bis dahin lediglich als Offenbrüter bekannt war, einmal ein Maulbrüter zu finden sein würde.

Zeitgleich gab es große Veränderungen in der Systematik der Cichliden. Es entstanden neue Gattungen (z.B.Teleocichla und Cleithracara) oder es kam zu Neubestimmung alter Gattungen und Arten in neue Gattungen, z. B. Papilochromis ramirezi, bekannt als Schmetterlingsbuntbarsch, in Mikrogeophagus ramirezi. Damit greifen wir auch schon in den Tribus (Gattungsgruppe) Geophagini ein. Der erste Erdfresser wurde 1791 von dem Berliner Arzt und Fischkundler Marcus Elieser Bloch in die damalige Sammelgattung Sparus gestellt und er benannte ihn nach dem Herkunftsgebiet Sparus surianmensis. Im Jahr 1840 stellte dann Jakob Heckel mit der Typusart Geophagus altifrons, aus dem Mündungsgebiet des Rio Negro in den Amazonas, die neue Gattung Geophagus auf. In den nun folgenden Jahren gab es etliche verschiedene Ansichten darüber welche Cichliden nun in die Familie Geophaginae gehören und welche nicht. Immerhin ist die Gattung heute über 160 Jahre alt und Leseratten finden reichlich Lesestoff über die Systematik der Geophaginae. Hier an dieser Stelle näher auf alle Gattungen einzugehen würde die Seitenzahl des vorliegenden Heftes beträchtlich erhöhen, denn zu Zeit zählen in der Klassifikation 16 Gattungen (inklusive `Geophagus` brasiliensis und steindachneri Gruppe) zur Supfamilie Geophaginae. Um die komplexibilität der Erdfresser jedoch an einem Beispiel wenigstens aquaristisch grob zu erfassen nehmen wir die "echten" Erdfresser aus der Gattung Geophagus.

Was verstehen wir in der Aquaristik unter der deutschen Trivialbezeichnung Erdfresser? Hier haben wir es mit Buntbarschen zu tun die sich in der Natur hauptsächlich in Nähe des Bodengrundes, der aus feinem Sand oder Schlamm besteht, aufhalten. In ihren natürlichen Biotopen durchkauen (filtrieren) diese Cichliden die obere feine Sand bzw. Schlammschicht nach Nahrung. In diesen Bereichen befinden sich viele kleine Organismen tierischen (Insektenlarven, Krebse, Würmer) und pflanzlichen Ursprungs. Oft "tauchen" die Fische mit ihrem Maul bis in Augenhöhe in den lockeren Bodengrund ein. Anschließend wird das aufgenommene Substrat durchkaut um es nach feinsten Nahrungsteilchen zu durchsuchen. Das nicht als Nahrung verwertbare Material wird dann zum Teil über die Kiemen ausgeschieden oder einfach wieder ausgespuckt.

Geophagus aff altifrons Curua und Geophagus proximus

In Brasilien nennt man solche sanddurchkauenden Fische "Pappaterra", was ins deutsche übersetzt nichts anderes als Erdfresser bedeutet. Schon der österreichische Ichthyologe Jakob Heckel hat die portugiesische Bezeichnung lediglich lateinisiert, geos (gr.) = Erde, phagein (gr.) = fressen. Zu Zeit gibt es 16 taxonomiesch bearbeitete Arten (vergleiche Tabelle) sowie eine Vielzahl an Standortvarianten (in der Tabelle als Spezis = sp. oder ähnlich = confer = cf. Bezeichnet) die noch wissenschaftlich untersucht werden müssen. Geophagus Arten erreichen im Schnitt Größen von 13 bis 20 cm. In Aquarien oder Schaubecken deren Seitenlängen 2 Meter oder darüber betragen, können einige Exemplare auch über die 25 cm Totallänge wachsen. Die Gattung lässt sich anhand einiger Merkmale gut von anderen Südamerikanischen Cichliden (Ausnahme Acarichtys heckelii, aber die Gattung ist monotypisch) unterscheiden. Kurzbeschreibung: Stirn stark ansteigend, relativ hochrückig mit flacher Bauchlinie, seitlich stark zusammengedrückt, Lateralfleck mehr oder weniger stark ausgeprägt (bei Geophagus altifrons im Alter kaum noch sichtbar), kein Caudalfleck, beschuppte Rücken und Afterflossen, leicht unterständiges Maul.

Der schwedische Ichtyologe Sven Kullander vermutete schon 1986, dass die Gattung Geophagus mindestens 15 eigenständige Arten umfasst. Heute werden es schon um die 25 Arten sein.

Pauschal kann man das Hauptverbreitungsgebiet der Geophagien in drei verschiednen Regionen einteilen. Die größte Region ist Amazonien mit einem zusammenhängenden Flusssyestem von etwa 6,5 Millionen Quadratkilometer. Des Weiteren die Orinoco - Region (Venezuela / Kolumbien) mit einem Einzugsgebiet von ungefähr 930.000 Quadratkilometer. Die Länder British Guyana, Französisch Guyana und Surinam bilden die Guyana - Region.

Geophagus aff altifrons Curua und Geophagus dicrozoster

Daraus lässt sich schon annehmen, dass die Erdfresser sowohl im Klarwasser, Weiswasser, Schwarzwasser und allen Mischgewässern zu Hause sind. Geophagien sind gesellig lebende Flussfische, die in größeren Gruppen auf Nahrungssuche gehen. Lediglich zur Laichzeit sondern sich Paare ab, die sich einen geeigneten Laichplatz suchen und zu diesem Zeitpunkt revierbildend sind. Oft werden Laichplätze in direkter Nähe des Ufers gesucht um hier im Bereich der geringeren Strömung und im Schutz der Pflanzen, Wurzeln oder Steine zu laichen. Der strömungsarme Uferbereich bietet den Fischen große Vorteile. Beim Laichen werden die Eier des Weibchens nicht durch die Strömung abgetrieben und das Männchen kann die Eier "zielgenauer" befruchten bzw. die Spermien werden nicht unnötig verwirbelt und dadurch verdünnt. Zudem haben die späteren Jungfische Deckungsmöglichkeiten vor größeren Fressfeinden oder können sich in flachere Uferzonen zurückziehen.

Die Brutpflegestrategien sind äußerst Variantenreich. Das Fortpflanzungsverhalten kann man unterteilen in offenbrütende Supstratlaicher, larvophile (Larven liebend) und ovophile (Eier liebende) Maulbrüter. Gerade die Maulbrutpflege ist hochspezialisiert und sorgt immer wieder für neue Überraschungen. Hier wird man auch in Zukunft sicher noch einige interessante Beobachtungen machen können.

Man findet die Geophagien aber auch in größeren Uferseen die sich nach dem einsetzen der Regenzeit durch Überschwemmungen bilden. Es besteht jedoch die Gefahr des Austrocknens während der Trockenzeit und aus kleinen Seen werden Tümpel. Rasch werden hier größere Fische Beute der Reiher oder anderer Fischfresser. Trotzdem lohnt sich ein Blick in solche Restgewässer, die in der Trockenzeit Temperaturen von über 30° Grad erreichen.

Am Rio Tapajos in den Stromschnellen oberhalb von Itaituba konnte ich mit C. Seidel im September 1994 in einem kaum sechs Meter langen und vielleicht 15 cm tiefen Restgewässer juvenile (halbwüschige) Geophagus cf. argyrostictus ``Tapajos`` beobachten und fangen. Die Tiere hatten eine Größe zwischen 4 und 7 Zentimeter.

Geophagus Arten die in Bereichen der Stromschnellen leben werden als rehophil (Strömungsliebend) bezeichnet. Solche Arten erweisen sich im Aquarium generell als lebhaftere Schwimmer als ihre Verwandten aus dem Tiefland. Auch können diese Arten untereinander etwas streitsüchtiger sein. Oft unterscheiden sich die rehophilen Geophagus schon durch ihr aussehen von den tieflandbewohnenden Geophagus. Arttypisches Merkmal ist ein bläulicher "Tränenstrich" der unterhalb des Auges verläuft und auf den Flanken sind je nach Art mehr oder weniger stark ausgeprägte Glanztüpfel zu sehen. Zwei weitere, in der Kopfzeichnung etwas abweichende, als "Wangenstrich" Geophagus bezeichnete Arten stammen aus Venezuela. Das Aquarium gewinnt in deutschen Wohnungen immer mehr an Boden. Vorbei sind die Zeiten wo kleine Rahmenbecken am Tagesende für fahle Beleuchtung sorgten. Immer mehr tritt das Aquarium bei den Liebhabern als gestalterisches Element des Wohnraums in den Vordergrund und so manche Anrichte muss einem mehreren hundert Liter fassenden Glasbehälter weichen. Wer solch eine Möglichkeit hat oder gar über einen separaten Raum für seine Aquarien verfügt, dem seien die Erdfresser wärmstens empfohlen. Am besten pflegt man die Tiere in einem Trupp von vier bis sechs Exemplaren. Schon aufgrund ihrer Größe sollte man auf Aquarien ab 120 x 50 x 50 cm Kantenlänge zurückgreifen, darüber sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Beachten sollte man auch eine ausreichend starke Filterung. Gut geeignet sind kräftige Motorinnenfilter (die Gefährdung von Überschwemmungen durch lockere Schläuche oder undichte Pumpen ist erheblich geringer als bei Außenfiltern) und empfehlenswert ist eine zusätzliche Membranpumpe mit einer ruhig etwas überdimensionierten Schaumstoffpatrone. Die Membranpumpe sorgt selbst bei Ausfall des Motorfilters für genügend Sauerstoff und kann zusätzlich als Langzeitfilter verwendet werden. Als Dekoration kann man Schieferplatten und die gängigen Mangroven oder Moorkienwurzeln verwenden. Eine Bepflanzung ist nicht unbedingt erforderlich, aber durchaus möglich. Wer auf etwas Grün in seinem Aquarium nicht verzichten möchte nehme großblätterige Pflanzen wie Javafarn, Anubias, Vallisnerien oder Echinodorus. Deren Wurzeln müssen dann aber wegen den zu erwartenden Erdumschichtungen mit Steinen abgedeckt sein. Der Bodengrund muss aus feinem Sand, Körnung bis 2 mm, bestehen den die Geophagus gut durchkauen können. An Sand sollte nicht gespart werden, eine Schichthöhe von 5 bis 7 cm ist bestimmt nicht verkehrt. Den Kostenmehraufwand für Sand kann man bei der Beleuchtung wieder reinholen. Eine 36 Watt starke Neonröhre ist für ein 400 Liter Aquarium ausreichend, zu hell gehaltene Geophagus könnten etwas schreckhaft werden.

Für die nötige Tropenwärme im Aquarium sorgt ein ganz normaler Heizstab, am besten mit Trockenlaufschutz. Die Leistung ist natürlich abhängig von der Größe des Aquariums und der Raumtemperatur. Optimal sind Temperaturen von 25° bis 28° Grad, zur Zucht auch höher, bis 30° Grad. Die Wasserwerte liegen am besten im leicht sauren Bereich. Bei pH werten um 6,8 fühlen sich die meisten Geophagus wohl und sie werden bei diesen Wasserparametern auch ablaichen. Einige Arten kommen auch noch mit einem pH Wert bis 8,0 zurecht, dass dürfte jedoch das Maximum sein was man den Cichliden zumutet. Spätestens nach zwei Wochen, je nach Besatzdichte, ist ein Wasserwechsel von 30% erforderlich.

Die Ernährung der Pfleglinge ist recht einfach. Ein gutes Trockenfutter sowie verschiedene Frostfuttersorten, Artemia, weiße und schwarze Mückenlarven werden gern genommen. Förderlich ist auch der Einsatz eines guten Vitaminprägerats. Tubifex und rote Mückenlarven stammen aus belasteten Gewässern, der erfahrene Aquarianer verzichtet auf solche Futtersorten. Auch das oft angebotene Rinderherz ist mehr fatal als ideal.

Zur Vergesellschaftung eignen sich fast alle südamerikanischen Zierfische, sofern es keine Raufbolde sind. Geophagus verhält sich gegenüber anderen Fischarten neutral und eine Vergesellschaftung selbst mit Salmern ist möglich. Meine persönlichen Favoriten sind Buntbarsche die lieber im mittleren bis oberen Bereich des Aquariums leben, weil sich die Tiere so schon auf natürliche Art und Weise aus dem Weg gehen. Gut geeignet sind z. B. Flaggenbuntbarsche, Scalare und Augenfleckbuntbarsche, der Gattung Heros. Der in letzter Zeit öfters im Handel angebotenen Heros sp. "Guyana" ist farblich besonders schön und kann mit jedem Diskus konkurrieren.

Uaru amphiacanthoides und Heros sp. Rotkeil

Bei der Anschaffung von Geophagus ist die wie für alle Fische geltende Aufmerksamkeit nötig. Die Tiere sollten flott an angebotenes Futter gehen und auch sonst einen gesunden und vitalen Eindruck machen. Jungtiere sind meist einfach nur silbern oder gelblich und zeigen nur wenig von den ansprechenden Farben die sie mit zunehmendem Alter erreichen. Die Geschlechter lassen sich besonders bei halbwüchsigen, aber auch bei erwachsenen Tieren nur schwer unterscheiden. Im Allgemeinen werden die Männchen größer, sind schlanker und bekommen spitzer ausgezogene Flossensäume. Die Weibchen dagegen haben rundliche Flossensäume und eine etwas fülligere Bauchpartie. Das ist zwar noch keine Gewähr, erhöht aber die Chancen beide Geschlechter zu erweben. Damit steht eigentlich der erfolgreichen Nachzucht nichts mehr im Wege.

Gültige Arten (in Klammern Namen und Datum der Erstbeschreibung)

Einige der heute bekannten Standortvarianten.
(die Liste ist nicht vollständig !!!)

Klassifikation der Geophaginae nach S. O. Kullander

  • Geophaginae
    • Crenicaratini
      • Biotoecus
      • Crenicara
      • Dicrossus
      • Mazarunia
      Acarichtyini
      • Acarichthys
      • Guianacara
    • Geophagini
      • Apistogramma
      • Apistogrammoides
      • Biotodoma
      • Geophagus
      • `Geophagus` brasilensis komplex
      • `Geophagus` steindachneri komplex
      • Gymnogeophagus
      • Mikrogeophagus
      • Satanoperca
      • Taeniacara

Literatur:

  • Datz - " Drei Erdfresser aus Venezuela beschrieben"
  • Kullander, S. O. Internetpräsenz
  • Stawikowski R. (1989a) "Ein Erdfresser mit verschiedenen Gesichtern - Geophagus altifrons" / D. Aqua. u. Terr. Zeit. (DATZ) 42 (8) S. 476-480
  • Stawikowski, R. (1995) "Heros 2. Die Typusart ist Maulbrüter" / D. Aqua. Terr. Zeit. (DATZ) S. 422-427
  • Stawikowski, R.& Werner, U. (1988) "Die Buntbarsche der neuen Welt - Südamerika" / Edition Kernen. Essen
  • Weidner, T. (2000) "Südamerikanische Erdfresser" / Verlag A.C. S.
  • Weidner, T. (1994a) "Wir können auch anders - Beobachtungen zum Brutpflegeverhalten einiger Geophagus-Arten" DCG-Info 25 (2) S.39-42
  • Werner U. (1990a) "Wangenstrich-Erdfresser es gibt zwei Arten" / D. Aqua. Terr. Zeit. (DATZ) 43 (8) S. 453-454
  • Werner U.(1994) "Der gelbe Wangenstricherdfresser, Geophagus taeniopareius gehört zu den Offenbrütern" / TI-Magazin 129 S. 19-23

Steckbriefe sowie weitere Fotos >>

Autor & Copyright: Heinz Morche (D 53 3646), Bericht für geophagus.de

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