Position --> Startseite: Aquaristik » Erdfresser » Berichte » Geophagus & Co

Geophagus & Co!

UPD: 01.03.09



Autor & Copyright: Dr. Jörg Albering (A 00 7682), Bericht für cichlidae.at

Geophagus & Co

In den vergangenen Jahren stieg nicht nur die Zahl der bekannten, südamerikanischen Cichliden rasant an, es gab auch einschneidende Änderungen in den Gattungsbezeichnungen bzw. in der Zuordnung altbekannter Arten in neu geschaffene Gattungen (siehe Abb. 1, Stammbaum der südamerikanischen Cichliden-Gattungen). Besonders bemerkenswert ist vor allem der enorme Wissenszuwachs im Hinblick auf die Fortpflanzungsbiologie der Geophaginae. Innerhalb dieser Familie existieren faszinierende Brutpflegevarianten, die von Offenbrütern über larvophile Maulbrüter bis hin zu hochspezialisierten, ovophilen Maulbrutpflegeformen reicht. Vor allem auch durch Aquarienbeobachtungen an den zahlreichen Neuimporten (siehe hierzu auch Tab. 1, Liste der wissenschaftlich bereits beschriebenen und noch zu bearbeitenden geophaginen Cichliden) offenbarte sich eine Komplexität an verschiedenen Verhaltensmustern, die unter den süd- und mittelamerikanischen Buntbarschen einzigartig ist.

Selbst unter den Offenbrütern innerhalb der Geophagen-Familie sind deutliche Unterschiede festzustellen. Geophagus-Arten wie z.B. G. taeniopareius, G. grammepareius oder G. argyrostictus, "G." brasiliensis oder einigen Gymnogeophagus-Arten wie z.B. Gymnog. australis, Gymnog. rhabdotus und Gymnog. meridionalis verhalten sich wie viele ihrer cichlasomatinen Verwandten, verwenden Laich-substrate wie Steine oder Wurzeln und bringen die Larven während ihrer Entwicklung in Gruben unter. Die Gelege dieser Arten sind relativ groß, die Eier und Larven recht klein und der Dottervorrat minimal. Dieses ist ein Tribut an die meistens relativ großen Verluste an Jungtieren während der gefährlichen, weil offen durchgeführten, Brutpflege. Andere Offenbrüter wie z.B. Satanoperca daemon graben ausgedehnte Laichgruben und plazieren ihre Gelege direkt auf dem Sand oder Kies und bedecken sie anschließend wieder mit einer dünnen Schicht des Substrates. Auf diese Weise wird das Gelege hervorragend getarnt. Ähnliches wird auch bei den nicht näher mit den Geophaginen verwandten Retroculus-Spezies beobachtet.

Auch höhlenbrütende geophagine Arten sind bekannt. Abgesehen von den zahlreichen Apistogramma-Arten, die hier nicht weiter besprochen werden sollen, zählen auch die Arten der Gattung Guianacara und Acarichthys heckelii zu dieser Kategorie. Viele Guianacara-Arten graben sich ihre Höhlen selber, häufig in der Nähe großer Steine oder Wurzeln. Die Gelege werden meistens an der Seite oder Decke der Höhle abgesetzt. Meinen Erfahrungen mit Guianacara-Arten nach werden auch die Larven gerne in en-gen, teilweise eigens zu diesem Zweck ausgegrabenen, Spalten zwischen Steinen oder Wurzeln untergebracht.

Larvophile Maulbrüter dagegen plazieren ihr Gelege auf festen Substraten wie Steinen, Wurzeln oder grossen Pflanzenblättern. Teilweise - z.B. bei einigen Satanoperca-Spezies - werden transportable Substrate eindeutig bevorzugt. Diese haben den Vorteil, daß die Elterntiere ihren Laich bei Annäherung eines Freßfeindes durch Verlegen des Substrates in Sicherheit bringen können. Häufig werden auch die Gelege mit Sand oder feinem Kies getarnt. Die Larven werden zum frühest möglichen Zeitpunkt - wenn der Dotter vom Pteriblast umwachsen wurde - ins Maul aufgenommen. Auf dem Substrat bleiben die leeren Eihüllen zurück. Es ist von Art zu Art verschieden, ob beide Tiere die Larven von Anfang an tragen, oder ob bevorzugt das Weibchen die Brut aufnimmt. Häufig sind auch die äußeren Umstände wie z.B. die Besatzdichte und damit die Anzahl von Feind-/Streßfaktoren mitentscheidend für die Details des Brutpflegeverhaltens. Zu den larvophilen Maulbrütern zählen unter anderem Gymnogeophagus balzanii, Satanoperca leucosticta sowie einige sehr attraktive Geophagus-Arten wie z.B. G. brachybranchus, G. spec. "Pindaré", G. spec. "Rio Negro" und die auffälligen G. spec. "Red head, Tapajos" und G. spec. "Orange head, Tocantins/Araguaia".

Ovophile Maulbrüter existieren allerdings ebenfalls innerhalb der Geophaginae. Sie weisen ein ähnliche Variabilität bzgl. des Ablaufes der Brutpflege auf wie ihre larvophilen Verwandten. Arten aus der "Geophagus" steindachneri-Gruppe vermehren sich in einer reinen Mutterfamilie - vergleichbar den ostafrikanischen Seen-Cichliden. So bekannte Arten wie Geophagus altifrons oder Satanoperca jurupari dagegen können erstaunlich komplexe Verhaltenweisen aufweisen. Es kommt sowohl vor, daß nur das Weib-chen die Eier direkt nach dem bzw. während des Laichaktes aufnimmt und im Verlauf der weiteren Brut-pflege sich die Elternpflichten mit dem Männchen teilt, - als auch daß beide Elterntiere gemein-sam die Eier aufnehmen. Ebenso variabel ist auch der Zeitpunkt der Aufnahme der Eier (direkt nach jedem Laichschub - in diesem Fall erfolgt häufig die Befruchtung erst im Maul des Weibchens - oder nach Komplettierung des gesamten Geleges), offenbar spielen auch hier Faktoren wie z.B. der Feinddruck eine wichtige Rolle.

Nicht nur neu importierte Spezies, sondern auch bereits "alte Bekannte" sind bei den geophaginen Arten immer für eine Überraschung gut. Selbstverständlich konnte dieser kurze Artikel die ganze Vielfalt innerhalb der Geophaginae nur andeutungsweise darstellen. Als Quintessenz sei hier aber festgehalten, daß es lohnt, es einmal mit Geophagus und Co. zu versuchen.

Aber Vorsicht: Geophagen können süchtig machen.......!

Abbildung 1: Phylogenetischer Stammbaumes der Cichliden Mittel- und Südamerikas (nach Kullander).

Phylogenetischer Stammbaum der Cichliden  Mittel- und Südamerikas

Aufzählung 1: Artenliste geophaginer Cichliden unter Ausklammerung der Crenicaratini sowie der Gattung Apistogramma. Bezüglich der Arten, die unter "spec." aufgelistet sind, erhebt diese Auflistung keinen (!) Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Geophagus
    • altifrons
    • argyrostictus
    • brachybranchus
    • brokopondo
    • camopiensis
    • grammeparius
    • harreri
    • megasema
    • proximus
    • surinamensis
    • taeniopareius
  • Geophagus spec.
    • "Altamira"
    • "Areöes"
    • cf. brachybranchus "Kolumbien"
    • cf. brachybranchus "Rio Caroni"
    • cf. argyrostictus "Aripuana"
    • red head "Tapajos"
    • "Pindaré"
    • orange head "Tocantins/Araguaia"
    • "Parnaibo"
    • cf. altifrons "Tocantins"
    • cf. altifrons "Xingu"
    • cf. altifrons "Tapajos"
    • cf. altifrons "Trombetas"
    • "Caqueta"
    • "Mitu"
    • "Rio Negro-I"
    • "Rio Negro-II"
    • "Urupá"
  • "Geophagus"
    • brasiliensis
  • "Geophagus"
    • crassilabris
    • pellegrini
    • steindachneri
  • Guianacara
    • oelemariensis
    • sphenozona
    • geayi
    • owroewefi
  • Guianacara spec.
    • "Orinoco"
    • "red cheek"
    • "Franz. Guyana"
    • "Caroni"
  • Satanoperca
    • acuticeps
    • daemon
    • jurupari
    • lilith
    • leucosticta
    • pappaterra
    • mapiritensis
  • Satanoperca spec.
    • "Capim"
    • cf. lilith "Xingu"
    • cf. leucosticta "Xingu"
    • red lip "Franz. Guyana"
    • cf. leucosticta "Tapajos"
    • "Porto Velho"
  • Gymnogeophagus
    • australis
    • balzanii
    • gymnogenys
    • labiatus
    • lacustris
    • meridionalis
    • rhabdotus
    • setequedas
  • Gymnogeophagus spec.
    • "Bahia (red)"
    • "Yaguarón"
    • "Rosario I"
    • "Rosario II"
    • cf. labiatus "Centurion"
  • Biotodoma
    • cupido
    • wavrini
  • Acarichthys
    • heckelii
  • Mikrogeophagus
    • altispinosa
    • ramirezi

Steckbriefe sowie weitere Fotos >>

Autor & Copyright: Dr. Jörg Albering (A 00 7682), Bericht für cichlidae.at

↑ top
 

Co-Designed by Free CSS Templates, hosted by 1blu.de, Partner >>