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Geophagus sp. Pindare!

UPD: 01.05.08



Autor & Copyright: Jochen Grad (D 87 2433), Bericht aus "DCG-Info 35(11) 2004" Seite 248-251 DCG

Pflege und Zucht von Geophagus sp. "Pindare"

Ein Trio, ein Männchen und zwei Weibchen, Geophagus sp. "Pindare" schwamm friedlich in einem Verkaufsbecken des Zoofachhandels "Aquaterra" in Kaufbeuren und kaute dabei den Bodengrund durch. Mir gefielen die zutraulichen Fische sofort. Die etwas lädierten Tiere wurden erst vor ein paar Tagen abgegeben. Laut Angaben des Vorbesitzers, der sein Hobby aufgegeben hatte, waren die Fische etwa acht bis neun Jahre alt und hatten schon etliche Male abgelaicht, doch wurden die Eier stets wieder aufgefressen. Irgendwie taten mir die Drei leid, und ich hatte gerade (was selten vorkommt) ein Becken frei. So nahm ich die Erdfresser mit nach Hause. Sie bezogen ein 300-Liter-Aquarium, das nur von einem kleinen Paar Aequidens sp. "Maracaibo" belegt war. Nach kurzer Unruhe begannen sie alsbald mit ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Durchkauen des Bodengrundes nach Fressbarem.

Geophagus sp. Pindare

Die Einrichtung des Beckens bestand aus einer Sand-Kiesmischung als Bodengrund, sowie größeren Steinplatten im Hintergrund und reichlich Wurzeln an den Seiten und in der Mitte des Aquariums. Im vorderen Bereich hatte ich zwei kleine Schieferplatten auf den Bodengrund gelegt. Das Trio fühlte sich offensichtlich recht wohl und sobald ich an die Scheibe trat, kamen sie sofort herangeschwommen und "bettelten" nach Futter.

Alle Drei hatten nicht nur zerfranste Flossen, sondern machten auch sonst nicht den allerbesten Eindruck. Sie waren in der Bauch- und Kopfregion leicht eingefallen und die Augen standen hervor. Also war die erste Maßnahme das, was ich am liebsten mache: die Fische gut zu füttern. Auf dem Speiseplan standen Artemia, Mückenlarven, aber in erster Linie gutes Flockenfutter und Diskusgranulat. Sie bekamen bis zu sieben Mal am Tag eine Ration, wobei mich meine Frau tatkräftig unterstützte. Ein regelmäßiger Wasserwechsel von etwa 50 Prozent in der Woche trug ebenfalls sehr zum Wohlbehagen meiner neuen Pfleglinge bei. So dauerte es auch nicht lange, bis innerhalb der harmonischen Dreierbeziehung ein Streit zwischen den beiden Damen um den einzigen Mann ausbrach. Es kam allerdings nie zu ernsthaften Verletzungen, sondern es war mehr ein Hin- und Hergeschiebe um die Kräfte zu messen.

Zu meiner Überraschung ging das etwas kleinere Weibchen als Siegerin daraus hervor. Das unterlege Tier musste sich ab sofort im hinteren Bereich des Aquariums aufhalten, wurde aber dort nicht weiter attackiert, Das Männchen hatte sich aus diesem "Frauenkram" total herausgehalten.

Die Geschlechtsunterschiede waren bei den ausgewachsenen Tieren, Männchen 18 Zentimeter, Weibchen 15 und 16 Zentimeter, recht leicht zu erkennen. Das Männchen war nicht nur größer, sondern auch die Stirnpartie war kräftiger und steiler es wirkte allgemein wuchtiger. Außerdem sah man bei diesen schon recht alten Tieren die Genitalpapille recht gut, die beim Männchen spitz und bei den Weibchen rund und stumpf war.

Etwa eine Woche nach der Kraftprobe der Weibchen sah ich das Männchen kopfschüttelnd über einer kleinen Steinplatte stehen. Das Weibchen umschwamm es dabei mit gespreitzten Flossen und fand sich dann ebenfalls kopfschüttelnd bei dem auserwählten Stein ein. Damit war recht unspektakulär der richtige Laichplatz auserwählt worden. Beide gingen alsbald dazu über, die Steinplatte gründlich zu säubern. Dieses Balzspiel zog sich über zwei Wochen hin, na ja, sie waren auch nicht mehr die Jüngsten. Die Genitalpapillen traten noch deutlicher hervor. Eines Abends war es endlich soweit, das Weibchen begann mit der Ablage der Eier.

Es glitt über die Steinplatte und legte die Eier darauf ab. Kaum hatte das Weibchen seine Laichkörner abgelegt, glitt das Männchen darüber und besamte sie. Das Gelege war mit etwa 50 Laichkörnern nicht besonders umfangreich. Kurz nach dem Laichakt wurde das Männchen recht aggressiv und vertrieb das Weibchen vehement.

Es kam dann wie es kommen musste - am nächsten Morgenen war vom dem Gelege nichts mehr übrig. Dieses Spiel wiederholte sich mehrere Male, so dass ich kaum noch Hoffnung hatte, je ein geglücktes aufziehen der Brut beobachten zu können. Vielleicht waren die Fische ja doch schon zu alt und die Eier vielleicht nicht befruchtet? Doch oft kommt es anders als man denkt. Ich wollte die G. sp. "Pindare" schon aus dem Becken fangen, als sie schon wieder Ablaichverhalten zeigten.

Ein Mal noch, dachte ich, lass ich sie probieren. Als wenn meine geistige Drohung angekommen wäre, klappte diesmal alles bestens. Die Eier wurden wie immer sorgfältig abgelegt, aber dann wurden sie zum ersten Mal mit Sand getarnt. Beide Elternteile standen dicht beisammen und fächelten den Eiern Wasser zu, als hätten sie nie etwas anderes getan. Bei einer Wassertemperatur von 26 °C, einer Gesamthärte von 18 °GH und einem pH-Wert von 7,5 nahm das Männchen die Larven nach etwa 36 Stunden ins Maul.

Interessanterweise pflegte nur das Männchen die Larven. Es kam zu keiner Übergabe an das Weibchen, wie es schon öfter beschrieben wurde. Das Weibchen vertrieb jeden Fisch, der sich dem Männchen nähern wollte mit Nachdruck. Bei jeder Fütterung konnte ich beobachten, wie das Männchen immer wieder auch kleine Futterpartikel aufnahm um zu fressen. Alles Futter wurde ganz vorsichtig eingesaugt, wobei sich das Maul kaum merklich öffnete. 14 Tage nach dem Aufnehmen der Larven entließ das Männchen die Jungen erstmals aus seinem schützenden Maul. Etwa 40 Jungfische fingen sofort mit der Nahrungssuche an.

Doch am nächsten Tag erschrak ich beim Blick ins Aquarium. Das Weibchen war dabei, seinen Partner überaus aggressiv durch das Becken zu jagen. Das ging recht lange so, bis das Männchen absolut erschöpft war und dadurch einen Teil seiner Jungen aus dem Maul lassen musste. Blitzschnell kam das Weibchen nun herangeschossen und nahm die Jungfische ins Maul. Sie verschwand dann hinter einer Steinplatte und der ganze Spuk hatte ein Ende. Anscheinend wollte sie sich unbedingt an der Brutpflege beteiligen. Am nächsten Tag hatte das Männchen gar keine Jungen mehr zu betreuen, da das Weibchen ihm nun sämtliche stibitzt hatte. Die Kleinen wurden ab sofort von der Mutter alleine durch das Becken geleitet, der Vater durfte sich nicht mehr in ihrer Nähe zeigen. Den Jungen war der Elternstreit ziemlich egal, sie pickten an Wurzeln und Pflanzen nach Kleinstlebewesen. Schon bald sah man sie mit gerundeten Bäuchlein durch das Becken ziehen, immer beschützt durch das Weibchen. Bei der geringsten Gefahr wurden die Kleinen rasch wieder ins Maul genommen.

Von nun an klappte es mit der Pflege weiterer Bruten stets bestens, allerdings nahm immer nur das Männchen die Larven ins Maul. Erst nach deren Freischwimmen beteiligte sich die Mutter, aber dann energisch, an der Brutpflege.

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Autor & Copyright: Jochen Grad (D 87 2433), Bericht aus "DCG-Info 35(11) 2004" Seite 248-251 DCG

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