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Satanoperca!



Südamerikanische Erdfresser der Gattung Satanoperca

- (Teuflische) Dämonische Fische

Autor & Copyright: Radoslaw Bednarczuk, Bericht aus "Aquarium live Nr.5/2004" Seite 60-65 Bede-Verlag

Charakteristische Art der Nahrungsaufnahme, auffallendes Äußeres, bemerkenswertes Verhalten sowie interessante Fortpflanzungsmethoden. So könnte man in wenigen Worten die zu der Gattung Satanoperca gehörenden Erdfresser beschreiben, die zwar nicht zu den beliebtesten im Aquarium gehaltenen Buntbarschen zählen, obgleich alle diese Eigenschaften es verdienen, näher betrachtet zu werden. Die beliebten Arten aus der Gattung Satanoperca gehören zur Gruppe der Erdfresser (Geophagini). Erstmals wurden diese Fische i84o von HECKEL innerhalb der Gattung Geophagus beschrieben, i862 wurden sie wegen ihrer morphologischen Unterschiede, die sie von anderen Erdfresserarten unterscheiden, in die Gattung Satanoperca überführt. 1862 führte zuerst GÜNTHER, Später dann KULLANDER im Jahr 1986 eine Revision durch. Er sonderte diese Gattung wiederum aufgrund von zwölf charakteristischen Merkmalen aus, wie schuppenlose Rücken- und Afterflosse oder die Anwesenheit eines runden Flecks am Ansatz der Schwanzflosse.

Selten gepflegt

Diese aus Südamerika stammenden besonders reizvollen Buntbarsche erfreuen sich jedoch keiner solchen Beliebtheit wie beispielsweise die seit einiger Zeit modischen afrikanischen Buntbarsche oder der Diskus. Der Grund für diese Sonderstellung der Erdfresser ist wohl bei den Schwierigkeiten in der artgerechten und vor allem gesunden Haltung zu suchen. Diese Buntbarsche sind anfällig für solche Unpässlichkeiten wie Bauchwassersucht oder die Lochkrankheit. Sie äußert sich in Hautverletzungen, die in der Regel in der Kopfgegend vorkommen. Ein Rezept gegen diese Krankheiten ist abwechslungsreiches Futter, reich an Ballaststoffen sowie den Vitaminen A und C, die eine wichtige Rolle bei der Bildung neuer Haut spielen. Wichtig ist außerdem die richtige Wasserqualität (frei von Stickstoffverbindungen, ganz bestimmte chemisch-biologische Parameter) und das Fehlen von Stressfaktoren. Das Wasser muss alle notwendigen Spurenelemente enthalten. Die Anfälligkeit für diese Krankheiten ist individuell, weswegen die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung auf gesunde Fische recht niedrig ist, es sei denn, ihre Lebensbedingungen bleiben dauerhaft ungünstig.

Anspruchsvoll

Künftige Züchter stehen vor dem Problem, den Fischen die entsprechende Wasserqualität bieten zu können. Es muss weich und sauer sein, aber vor allem frei von schädlichen Stoffwechselprodukten (Ammoniak, Nitrat, Nitrit). Der Aquarianer muss auch über einen recht großen Behälter verfügen, da die Buntbarsche zu einer beachtlichen Größe heranwachsen. Idealerweise lassen sich maximal fünf erwachsene Satanoperca in einem 300 1-Aquarium halten, obwohl sich auch ein solches mit der Zeit wahrscheinlich als zu klein erweisen wird. Der Reiz dieser Fische liegt nicht nur in ihrem ungewöhnlichen, ja zauberhaften Aussehen (große, vertrauensvolle Augen und eine Maulform, die den Eindruck von Lächeln erweckt), sondern auch an ihrem interessanten Sozialverhalten und der äußerst bemerkenswerten Art der Fortpflanzung, was die mit der Haltung verbundenen Schwierigkeiten ausgleicht. Einige Fische erinnern mit ihrem Gesicht und ihrem Verhalten (dem aufbrausenden Temperament) an den bei uns heimischen Barsch - sogar der wissenschaftliche Name knüpft daran an (Perca heißt auf Latein Barsch - daher auch das englische "pearch". Satanoperca bedeutet also "Teufelsbarsch").

Ein Fisch mit Charakter

Die Fische sind charaktervoll, jedoch friedfertiger als manch andere Buntbarsche und vor allem nicht so aggressiv wie die afrikanischen; kurzgefasst lässt sich auf keinen Fall sagen, die Tiere seien langweilig. So mancher Beobachter empfindet ihr eigenartiges Äußeres als dämonisch, und als Kuriosum möchte ich erwähnen, dass die lateinischen Bezeichnungen der einzelnen Arten von den Namen der Dämonen aus der Kultur der Völker am Amazonas stammen (lilith, daemon oder jurupari). Diese "teuflischen" Fische sind gute Beobachtungsobjekte für diejenigen, die aquaristische Herausforderungen schätzen, zu denen man die Erdfresser auf jeden Fall rechnen kann. Beliebte Arten der Satanoperca sind vor allem: S. jurupari, S. leucosticta, S. daemon und die wesentlich seltener vorkommenden S. pappaterra, S. lilith, S. mapiritensis und S. acuticeps. Vermutlich gibt es noch viele weitere, noch unerfasste Erdfresserarten, die schon bald in unsere Aquarien gelangen könnten.

Das Habitat - Der Lebensraum

Die Fische der Gattung Satanoperca bewohnen stehende und langsam fließende Gewässer in tropischen Regionen Südamerikas - im Amazonassystem, im Orinoko und im oberen Abschnitt des Paraguay, in solchen Flüssen wie dem Rio Negro oder dem Rio Branco. Man findet sie im Schwarzwasser genau so wie in klaren Gewässern, meist in Ufernähe, wo auf dem Grund vor allem Schlamm, Tonerde und feiner Sand überwiegen, aber auch Blätter von Landpflanzen und ins Wasser getauchte Teile von Bäumen, Sträuchern und Gräsern, bei zugleich wenigen eigentlichen Wasserpflanzen. Ein weiteres charakteristisches Merkmal ihres Lebensraums ist das häufige Fehlen von Schatten, infolge dessen die Temperatur dort höher ist als an von Bäumen überschatteten Orten. Die Satanoperca sind soziale, in Gruppen lebende Fische. Sie ernähren sich hauptsächlich von Schalentieren, Insektenlarven oder auch von den Überresten der Landpflanzen. Unter natürlichen Bedingungen neigen sie nicht zu Parasitenbefall, mit Ausnahme von Haut- und Kiemenwürmern (Trematoda) - hier kann jedoch nur die Larve (Metacercearia) auf den Fisch übertragen werden. Als letzter Wirt dienen ihnen jedoch Vögel, deshalb können wir beruhigt sein, da die Parasiten ohne sie ihren Lebenszyklus im Aquarium nicht beenden können.

Der Behälter

Den Erdfressern muss man sehr viel Lebensraum zur Verfügung stellen. Wichtig sind hierbei Länge und Breite des Aquariums, die Höhe hat zweitrangige Bedeutung, da sich die Fische vorwiegend in Bodennähe aufhalten. Am besten ist es, wenn die Tiefe des Aquariums zwischen 60 und 70 cm und die Länge mindestens 100 cm beträgt, natürlich: Je länger es ist, desto besser. Moorkienholzwurzeln oder Steinholz sind bei der Ausstattung unerlässlich. Nicht nur, weil sie ansehnlich sind und dem Aquarium einen einzigartigen Charakter verleihen, sondern sie reichern das Wasser auch mit einigen wertvollen Elementen an (z. B. Gerbstoffe und Huminsäuren), sie dienen den Fischen aber auch als Versteck, was ihnen Geborgenheit vermittelt. Allerdings sollte man es mit der Menge dieser Dekorationselemente nicht übertreiben und einen Teil des Behälters sogar ganz frei lassen, den Boden dabei nur mit Sand bedecken, damit die Fische den Untergrund ungehindert durchwühlen können. Man sollte auch einen passenden Hintergrund nicht vergessen, am besten schwarz oder braun, der mit dem Ganzen harmoniert und die natürlichen Farben der Fische unterstreicht. Da die Fische nahezu pausenlos wühlen, brauchen wir uns um sauerstofflose Zonen im Aquarium keine Sorgen zu machen, da der Untergrund so regelmäßig umgegraben wird und sich demnach keine giftigen Gase wie Schwefelwasserstoff ansammeln können. Als Bodengrundmaterial eignet sich feiner Sand in einer 2 bis 3 cm dicken Schicht. Auf Kies sollte man ganz verzichten, da er den Fischen die Futteraufnahme erschwert und sogar die empfindlichen Kiemenblätter beschädigen kann kleinere Fische können sogar daran ersticken. Die Fische graben so intensiv, dass manchmal an einigen Stellen Trichter entstehen, die bis an den Boden des Aquariums reichen, während woanders wiederum Sandhaufen aufgeschüttet werden. Das Aquarium muss nicht hell beleuchtet sein, es sei denn, man pflegt auch Wasserpflanzen. Ein schwaches Licht reicht aus, da die Erdfresser sich dann sicher fühlen und die Schönheit ihrer Farben so besser präsentieren. Mein Aquarium ist so aufgestellt, dass es die schrägen Strahlen der Nachmittagssonne erreichen (je nach Jahreszeit bis zu einer Stunde am Tag). Natürliches Licht verleiht den Fischen Vitalität, wodurch sie lebhafter und balzfreudiger sind. Ich habe beobachtet, dass es das Balzverhalten intensiviert. Abends verwende ich Mischlichtlampen (Leuchtstoffröhren). Erdfresser haben die Eigenschaft, dass sie verhältnismäßig langsam wachsen, was uns nicht dazu verleiten sollte, sie in zu engen Aquarien zu halten, vielmehr verpflichtet gerade dies uns, ihnen soviel Platz wie möglich zu bieten.

Das Wasser

Damit die Fische gesund und fortpflanzungswillig bleiben, muss man ihnen die nötige Wasserqualität bieten. Darunter versteht man eine geringe Konzentration an Stoffwechselprodukten. Die beste Lösung ist die Verwendung eines offenen Filters. Selbstverständlich kann man dafür auch einen Topffilter nutzen, den man mit einem guten Filtermedium versieht, die Kapazität einer solchen Filtereinrichtung ist jedoch vom Füllvermögen und der Leistung des Filters abhängig. Die beste Lösung besteht darin, das Wasser im Aquarium drei- bis fünfmal pro Stunde (abhängig vom Fischbesatz und von Fütterungshäufigkeit) durchzufiltern, am besten wählt man die nächsthöhere Einstellung. Ich empfehle auch die Anschaffung eines guten Innenfilters, der seine Rolle in zweifacher Hinsicht erfüllt: das Wasser sowohl von mechanischen Partikeln zu reinigen als auch Sauerstoff zuzuführen. Man muss sich klar machen, dass Erdfresser sehr empfindlich auf eine schon geringe Überschreitung des normalen Gehalts an schädlichen Verbindungen reagieren. Aus Erfahrung weiß ich, dass eine auch nur um o,3 mg/1 erhöhte Konzentration an Stickstoffverbindungen schon starke Vergiftungserscheinungen hervorrufen kann, deren Anzeichen Atmungsstörungen sind, infolge dessen sogar einige junge Fische sterben können. Am sichersten ist es, wenn die giftigen Stoffe, vor allem Stickstoffverbindungen wie Ammoniak, bei Wasseruntersuchungen unmessbar bleiben. Eine erhöhte Nitratkonzentration wirkt sich ebenfalls negativ auf die Gesundheit der Fische aus, was zu Wachstumsstörungen führt. Deshalb müssen wir an einen wöchentlichen Wasseraustausch von mindestens 30 % denken, natürlich unter Berücksichtigung der richtigen chemisch-physikalischen Parameter.

Die Wasserqaulität

Das Wasser, in dem die Fische leben, hat entscheidende Bedeutung. Besonders wichtig ist seine Sauberkeit, jedoch nicht weniger bedeutsam ist auch der pH-Wert, besonders bei der Haltung von Satanoperca daemon. Erfreulich ist gewissermaßen, dass man junge Fische, auch von der eben erwähnten Art, mit Erfolg auch in einem Wasser von mittlerer Härte halten kann, mit einem pH-Wert von 6,5 bis 7,0. Will man sie jedoch züchten, so ist es erforderlich, saures und weiches Wasser mit geringem Carbonatgehalt zu verwenden. Als besonders nützlich erweist sich hier die Anwendung einer Umkehrosmoseanlage. Um die entsprechenden Werte zu erreichen, können wir dann Leitungswasser mit dem gefilterten mischen oder aber, man fügt ihm spezielle Salze zu, die das Wasser im Biotop des Amazonas imitieren. Ich persönlich bevorzuge die zweite Variante, da ich dann eine gewisse Sicherheit habe, was die chemischen Werte und das biologische Gleichgewicht des so vorbereiteten Wassers angeht. Für den richtigen pH-Wert verwende ich natürliche Elemente der Aquarienausstattung, also Braunkohle und Moorkienholz, die den pH-Wert zwischen 6,0 und 6,5 halten. Man kann das Wasser auch über Torf filtern, um noch niedrigere pH-Werte zu erreichen. Die Temperatur schwankt in meinem Aquarium zwischen 27 und 28 °C.

Das Futter

Die Satanoperca sind Erdfresser, die den Boden durchwühlen. Sie besitzen auf dem ersten Kiemenbogen spezielle Siebe aus Knorpelgewebe, die es ihnen ermöglichen, organische von anorganischen Stoffen zu trennen. In ihrem natürlichen Lebensraum ernähren sich diese Fische - wie schon erwähnt - von ihnen zugänglichen Insektenlarven, aber auch Obstsamen sowie Pflanzenteilen. Als Aquarianer muss man also dafür Sorge tragen, dass ihre Ernährung möglichst abwechslungs- und ballaststoffreich bleibt (z. B. mit Hilfe von Spinat und Schalentieren), denn nur so können wir die Fische vor einer eventuellen Erkrankung an Bauchwassersucht bewahren. Die Fische sind keinesfalls derart wählerisch, was ihre Nahrungssuche betrifft, so wie das beispielsweise bei Symphysodon discus der Fall ist, aber man sollte ihre Ansprüche dennoch nicht außer Acht lassen. Gerne fressen sie "Tiefkühlkost" wie: Mückenlarven, ausgewachsene Artemia salina-Krebse, Daphnia und Cyclops. Ich füge jedoch jeder dieser Futtersorten zusätzlich gemahlenen Spinat im Verhältnis ia zu und verfüttere das Ganze erst nach dem Auftauen. So viel zu den richtigen Inhaltsstoffen einer artgerechten Nahrung der Erdfresser. Die so gemischte Nahrung reiche ich einmal täglich zusammen mit getrocknetem Ergänzungsfutter auf pflanzlicher Basis (z.B. Spirulina platensis) in Form von Flocken oder Granulat. Ich verwende ebenfalls kein Futter mit hohen Anteilen von tierischem Eiweiß wie Regenwürmer oder Enchyträen. Auf Erstere rate ich ganz zu verzichten, da eine solche Fütterung vielen Ouellen zufolge sogar zum Tod der Fische führen kann. Die verwendete Nahrung darf jedoch auch nicht zu grob sein, da die Fische sie durch ihre Kiemen filtern und sie sonst nicht aufgenommen werden kann. In diesem Fall trägt das Futter, ohne genutzt zu werden, nur zur Verschmutzung des Wassers im Aquarium bei.

Die Fortpflanzung

Die Partnerwerbung, Eiablage und die Nachwuchspflege sind bei den hier besprochenen Buntbarschen wirklich bemerkenswert, leider erreichen diese die Geschlechtsreife erst im Alter von zwei bis drei Jahren. Bei ihnen kommen unterschiedliche Fortpflanzungsmethoden vor. Einige inkubieren ihren Laich und die Larven im Maul, wie die so genannten direkten Maulbrüter (ovophile), andere nehmen die Larven mit Verspätung auf (larvophile). Bei einigen Arten ist es noch nie gelungen, sie unter Aquarienbedingungen zu züchten, aber es gibt sehr wohl auch solche, die sich dort gern vermehren. Gewöhnlich kommt bei ihnen kein deutlicher Geschlechtsdimorphismus vor - man kann das Geschlecht erst an den Geschlechtsorganen erkennen -, obwohl die Männchen meist größer sind als die Weibchen und längere Rücken- und Afterflossenspitzen besitzen, während die Weibchen sich durch einen etwas rundlicheren Bauch unterscheiden. Zu einer Brut kann es auch im Gesellschaftsaquarium kommen, da das Paar jedoch meistens darauf verzichtet, muss man es in ein eigenes Aquarium umsetzen. Zur Ergänzung dieses Artikels kann auch unter anderem die Internetseite www.radbed.com behilflich sein. Hier finden Sie eine reiche Auswahl an Fotos und Filmen aus dem Leben der südamerikanischen Erdfresser der Gattung Satanoperca.

Steckbriefe sowie weitere Fotos >>

Autor & Copyright: Radoslaw Bednarczuk, Bericht aus "Aquarium live Nr.5/2004" Seite 60-65 Bede-Verlag

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