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Geophagus surinamensis!



Autor & Copyright: Ulrich Minde (D 24 0100), Bericht aus "DCG-Info 13(6) 1982" Seite 101-104 DCG

Beobachtungen zur Brutpflege von Geophagus surinamensis

Im Oktoberheft 1981 der DCG-Info schreibt Uwe Werner in seinem Steckbrief (Cichliden von A bis Z) über Geophagus surinamensis unter der Überschrift Besonderheiten: "Von anderen Aquarianern ist wiederholt beobachtet worden, dass G. surinamensis ovophiler Maulbrüter sei, der seine Gelege direkt nach dem Ablaichen aufnehme..."

Ich bin solch ein "anderer" Aquarianer und möchte mich in dieser Angelegenheit zu Wort melden. Um wenigstens die Vorrede kurz zu fassen, mag es genug sein, wenn ich darauf hinweise, dass ich meine G. surinamensis in einem Aquarium von 140 x 50 x 55 cm in normalen, also äußerst hartem Fehmaraner Leitungswasser bei 27 °C pflegte. Gefiltert wurde über eine 600er Turbelle mit Biofilter. Es bestand eine zusätzliche Durchlüftung. Der Bodengrund war eine Mischung aus feinem Kies und grobem Sand. Einzige Pflanze war eine Cryptocoryne balansae mit riesigem Wurzelstock von ca. zwei Handteller-Breite in der Mitte des Rückraumes. Die linke und rechte Hälfte des Beckens beherrschte jeweils in ein großer Wurzelhaufen aus Moorkienholz, während noch einige kleinere Stücke (20 cm) von der Ostsee abgeschliffene Hölzer sowie einige Platten Taunusschiefer von vergleichbarer Größe herumlagen und auf ihre Funktion als mögliche Reviergrenzen warteten. Nach zwei missglückten Brutversuchen in Gesellschaft der übrigen sieben G. surinamensis, bei denen ich das Ablaichen selbst nicht verfolgen konnte, klug geworden, versuchte ich einen Zuchterfolg mit folgenden Maßnahmen herbeizuführen:

Mein Geophagus-Paar (Männchen ca. 14 cm, Weibchen ca. 11 cm) vergesellschaftete ich mit fünf Blutsalmlern (Nyphessobrycon callistus) und einem Paar Roter Schwertträger(Xiphophorus helleri), um den Tieren die Scheu zu nehmen. Einen weiteren G. surinamensis beließ ich gewissermaßen ais "Prügelknaben" im Becken, damit sich die Aggressionen der beiden Zuchttiere nicht gegeneinander richteten.

Dem eigentlichen Ablaichen ging jedes mal Tage früher Grabtätigkeit - vor allem des Männchens - voraus. Die Tiere umschwammen sich außerdem mit gesenktem Mundboden und vollkommen gespreizten Flossen in den mittleren Wasserschichten. Bei Sonne und besonders bei Gro-Lux-Beleuchtung bieten diese Cichliden in ihren schillernden Grün- und Rottönen sowie der blutroten Iris einen unvergleichlich eindrucksvollen Anblick, vor allem dann, wenn die Flossenfilamente stark ausgeprägt und nicht von anderen Beckeninsassen "angeknabbert" sind. Während des Umschwimmens vollführt besonders das Männchen heftige Schläge mit der Schwanzflosse.

Den Zeitpunkt, zu dem die Geschlechtsorgane hervortraten, habe ich nicht in Erinnerung, wohl aber, dass die Genitalpapille des Weibchens noch zwei Tage nach dem Ablaichen deutlich zu sehen war.

Wenige Stunden vor dem Ablaichen putzten beide Tiere eines der kleineren bereits erwähnten Holzstückchen aus der Ostsee. Während des Ablaichens, das ich nun zumindest teilweise beobachten konnte, kamen nur zwei Holzstücke in Betracht. Das eine war rund und wies an einer Stelle der Oberseite eine Delle von etwa doppelter Daumennagelfläche auf. Auf diesem Fleckchen vollzog sich das Ablaichen gewöhnlich. Nur zweimal, so auch an dem Abend, von dem meine Aufzeichnungen stammen, laichten die Tiere an anderer Stelle ab. Das Weibchen legte diesmal nur ein oder zwei Eier ab (bei früheren Gelegenheiten waren es bis zu fünf), die vom Männchen anschließend im Darüberrutschen befruchtet wurden. Dabei, spätestens aber sofort danach, nahm das Weibchen die Eier auf, um dann erst die nächsten abzusetzen. Bisweilen geschah es auch, dass das Männchen während des Ablaichens Feindfische vertreiben musste. In solchen Momenten laichte das Weibchen unbeirrt weiter und sammelte auch die noch nicht befruchteten Laichkörner ein, während das Männchen bei seiner Rückkehr auch getrost einmal über das blanke Holz glitt und abspermte.

Nach meinen Beobachtungen nahm stets das Weibchen den Laich auf. Das mag schon damit erklärt sein, dass der Laichvorrat aus Gründen, auf die ich noch eingehen werde, schnell erschöpft war, so dass der gesamte Vorrat bei einem Tier Platz hatte. An diesem Abend passierte es aber, dass das Männchen mehrungewollt ein Laichkorn aufnahm. Es vollführte sofort ganz hektische Kaubewegungen und spie es wieder aus, um gleich darauf reichlich Sand zu fassen.

Die Farbe des Laiches hängt sicherlich von der Art des Futters ab. Gewöhnlich war der Laich bernsteingelb und trübe, nun aber, nachdem ich wochenlang tiefgefrorene Garnelen verfüttert hatte, war er weißlich trüb. Die Haftfähigkeit erschien mir allenfalls gering, da die Eier z.8. von der Stelle bewegt wurden, wenn das Männchen mit kräftigen Flossenschlägen startete, um Feindfische zu vertreiben. Die Laichkörner habe ich nicht vermessen, sie erschienen mir aber größer als die mir bekannter Cichlasoma-Arten (C. crassum, C. aureum, C. maculicauda). Über den Gesamtumfang eines Geleges meiner Geophagus surinamensis etwas genaues zu sagen, fällt schwer. Die Eizahl dürfte aber nicht wesentlich über 100 Stück gelegen haben. An dieser Stelle möchte ich nachtragen, daß sich unter den zehn Tieren, die ich im Juli 1979 erwarb (eines starb), nur ein Paar zusammengefunden hatte, das dann allerdings seit Februar 1980 nach meiner Buchführung achtmal ablaichte. Einmal sah ich nach acht Tagen, dass das Weibchen einige (letzte!) Embryonen ständig ausspie und wieder einsog. Bei diesem Anblick erging es mir wie seinerzeit Wollenweber: "Man konnte einfach nicht hinsehen." Es gelang mir nicht, auch nur einen Jungfisch zu isolieren. Sobald ich mir an der Deckscheibe zu schaffen machte, sammelte das Weibchen die wenigen verbliebenen Jungen sofort ein. Als das Weibchen nach einem anderen Ablaichen im Mai 1980 nach zehn Tagen die Jungen noch immer im Maul hatte, räumte ich das Becken aus, fing das Weibchen und erhielt neben eben so vielen verletzten ungefähr 30 stark embryonale Jungfische, von denen ich 17 aufziehen konnte.

Dieser Teilerfolg war der einzige, der mir überhaupt beschieden war. Meist fraß das Weibchen die Brut nach dem fünften Tag. Die Aggression der Partner untereinander nahm vom Tage des Ablaichens an ständig zu, ob ich nun die Tiere beieinander beließ oder sie mit Hilfe einer Trennscheibe auf Sichtkontakt hielt.

Seit dem Sommer 1981 ist das Weibchen tot. Es starb wahrscheinlich an Auszehrung und Erschöpfung. da ich keine Lösung fand, das Tier längere Zeit von dem ständig laichbereiten und dabei aggressiven Männchen zu trennen, ohne befürchten zu müssen, dass die Paarbindung auseinander ging. Die übrigen Geophagus surinamensis bedrohten sich selbst in einem 720-Liter-Becken andauernd und schüchterten einander so ein, dass einzelne Tiere kaum zum Futter kamen.

Ich wollte mit diesem Bericht keine wissenschaftliche Erörterung vornehmen. Die Vorarbeit stand an sich unter dem Motto: "Widerspruch zu Wollenweber". Sein Zuchtbericht ist in die aquaristische Literatur übernommen worden und jetzt von Uwe Werner bestätigt worden. Ich hatte mich - jedoch nicht DCG-öffentlich darüber gewundert, dass sich niemand fand, der die Angaben von Wollenweber überprüft hatte. Der Gedanke, dass es sich bei meinen Geophagus unter Umständen um eine andere Art handeln könnte (mündliche Aussage von U. Werner), kam mir nie. Zum einen decken sich die Beschreibungen in der Literatur zum großen Teil mit meinen Beobachtungen, zum anderen existieren keine Abbildungen, die die volle Schönheit dieser Cichliden auch nur annähernd wiedergäben. In diese Tradition reihen sich leider auch meine amateurhaften Fotografierversuche ein. Bei einem Vergleich mit der Abbildung aus Cichliden von A bis Z, die hier als SW-Bild wiedergegeben ist, erscheint mir das von mir gepflegte Männchen (jetzt 16 cm), bei aller gegenüber diesem Verfahren angebrachten Skepsis, deutlich gestreckter. Uwe Werner glaubt dagegen, hauptsächlich in der Zeichnung der Schwanzflosse Unterschiede zu erkennen.

Warum ich ursprünglich meine Beobachtungen schriftlich festhielt, vermerkte ich bereits. Als ich aber auf Anregung von Uwe Werner meine stichwortartigen Aufzeichnungen ausformulierte, ergab sich plötzlich ein völlig neuer Aspekt: Verhält sich dieser Geophagus nicht beinahe "afrikanisch**"? Da ich die Tiere aber damals nicht unter dieser Fragestellung beobachtet habe, verzichte ich besser darauf, sie nachträglich in ein System zu pressen mit der eindeutigen Zuordnung zu ovophilen oder larvophilen Maulbrütern. Es gibt also zu Geophagus surinamensis noch manches zu klären. Deshalb soll dieser Aufsatz als Anregung für den einen oder anderen Cichliden-Freund verstanden werden, hier weiter zu forschen.

Literatur:

  • Werner, Uwe (1981): "Geophagus surinamensis (BLOCH, 1791)"
  • DCG-Info 12(10): Cichliden von A bis Z Wollenweber
  • Günter (1971): "Geophagus surinamensis"; DATZ 2A(5): 152 ff.

** Anmerkung des Autors zu dem Artikel im Feb 2007:

Der Vergleich zu den afrikanischen Buntbarschen, kann heute aufgrund neuer Erkenntnisse nicht mehr bestehen bleiben.

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